Gastbeitrag: Futter für Freunde, nicht für die Tonne!

Seht ihr auch manchmal abends, bei Anbruch der Nacht, um die Zeit des Ladenschlusses, Gestalten mit riesigen Rucksäcken durch die Stadt huschen? Wesen, die auf wundersame Weise ihre Fahrräder mit zehn Stoffbeuteln und drei dunkelblauen Ikea-Taschen beladen können? Fragt ihr euch auch manchmal, zu welcher geheimnisvollen Vereinigung sie wohl gehören mögen und welche Kostbarkeiten sie im Schutz der Dunkelheit in Sicherheit bringen?

Was sie in ihren Taschen verbergen, ist das Kostbarste, was Menschen besitzen können: Essen.

Erst seit wenigen Wochen darf ich mich selbst zu dieser zauberhaften Gemeinschaft zählen – doch ich habe mich schnell an ihre Arbeitsweisen gewöhnt. Daran, Läden genau dann zu betreten, wenn die letzten Kunden sie verlassen; daran, bei Imbissbuden nach leeren 10 Liter Eimern zu fragen und daran, schwerbepackt mit meinem größten Reiserucksack und all meinen angesammelten Stoffbeuteln der letzten Jahre von A nach B zu ziehen. Ich bin Foodsaver und damit Teil der Initiative foodsharing.

Foodsharing
© Foodsharing e.V.

Foodsharing wurde 2012 gegründet und ist inzwischen ein absolutes Muss für alle, die ihre Ernährung nachhaltiger gestalten wollen. Mission: So viele Lebensmittel wie möglich vor der Mülltonne bewahren!

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© Foodsharing e.V.

Dafür gibt es zum einen die Möglichkeit, durch wenige Klicks auf foodsharing.de aktiv zu werden. Als Foodsharer kannst du dort virtuelle Essenskörbe erstellen und sie anderen Foodsharern anbieten – z.B. wenn du morgen in den Urlaub fährst und nicht weißt, wohin mit deinen Resten; wenn du einen fleißigen Obstbaum im Garten hast und nicht alles selbst verarbeiten kannst oder wenn du dich beim Kartoffelsuppekochen einfach mit der Menge verschätzt hast. Das Ganze gibt’s selbstverständlich auch auf Facebook: Einfach „foodsharing“ und den Namen deiner Stadt eingeben und in regionalen Gruppen mit sharen! … Praktisch ist das Ganze natürlich auch, wenn du sonntags aus dem Urlaub zurückkommst und der Kühlschrank ist leer, oder wenn deine Mitbewohner einfach die ganze Kartoffelsuppe aufgegessen haben.

Der zweite Schritt hin zu einer ressourcenschonenden Ernährung ist, selbst Foodsaver zu werden und bei Ladenschluss unterschiedlichster Lebensmittelgeschäfte (u. a. Bäckereien, Supermärkte, Obst- und Gemüseläden, Mensen und Biomärkte) alles abzuholen, was ansonsten in der Tonne landen würde. Dafür musst du auf der Internetseite zunächst ein Quiz über die Hintergründe, Arbeitsweisen und Formalitäten von foodsharing bestehen. Anschließend wirst du von erfahrenen Kollegen zu drei Einführungsabholungen mitgenommen, um live zu sehen, wie alles abläuft. Dann endlich erhältst du deinen offiziellen Foodsharing-Ausweis und darfst selbstständig losziehen.

Foodsharing e.V.
© Foodsharing e.V.

Die größte Herausforderung ergibt sich allerdings erst, wenn du bei einer Abholung das Essen erfolgreich in alle deine lebensmittelechten Verpackungen verstaut hast: Wohin mit dem ganzen wohlriechenden Schmaus? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder du isst es selbst. Oder du verteilst es an deine Mitbewohner und Freunde. Wenn die nicht willensstark genug sind, um die Unmengen an Köstlichkeiten zu bezwingen, kannst du dich auch an deine virtuellen Freunde aus Facebookgruppen und von foodsharing.de wenden. Bestimmte Leckerbissen kannst du sogar in sogenannten Fairteilern (öffentliche Kühlschränke und Essensregale) hinterlegen, wo sie auch immer hungrige Essensliebhaber finden. Und wenn du dich bei der ganzen Sache auch noch sozial engagieren möchtest, gibt es einige gemeinnützige Einrichtungen wie Obdachlosenhilfen und Flüchtlingsunterkünfte, die sich über kulinarische Unterstützung freuen. Aber Achtung: Für die Weitergabe von verdorbenen Lebensmitteln haftest du selbst als Privatperson! Deshalb überprüfe am besten, ob du eine Haftpflichtversicherung hast. Dann steht deiner Mission, Lebensmittel zu retten und andere Leute damit glücklich zu machen, nichts mehr im Wege.

Also keine Angst: Foodsaver zu sein bedeutet nicht, selbst dick werden zu müssen!

Hast du selbst schon Erfahrungen mit foodsharing gemacht oder kennst andere Möglichkeiten, Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten? Ich freue mich über Anregungen in den Kommentaren!

Viele Grüße aus Bonn

Hanna

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