Weltweit einen sitzen – Der Monobloc und sein Weg in Ernas Garten.

Um den gemeinsamen Grillgenuss in Ernas Garten ein wenig zu versüßen, brachte ich ein wenig Bier mit ins schattenspendende Grün. Einen Kasten durch die Sommerhitze zu transportieren war schweißtreibend und ließ mich kurz an den komfortablen Autoschlüssel denken, der einsam in der Schublade schmilzt. Aber Schluss mit diesen faulen Gedanken. Gleich ist es geschafft! Ermattet gieße ich zuerst die Blumen und dann mich mit dem Gartenschlauch und gleite schlussendlich mit einem Bier in einen der Plastikstühle. Zischend springt der Kronkorken in das nasse Beet und ich nehme den ersten Schluck. „Dass Sachsen nicht als erstes genannt wird, wenn sich das Gespräch um gute Bierregionen dreht, war mit vorher klar. Doch die Betriebswege sind nun mal kürzer,“ murmele ich mehr zum Bier als zu mir selbst. Der Stuhl bleibt ungerührt stehen und ich streiche über das weiße Plastik. „Wie weit der wohl schon unterwegs ist?“ Auf solchen Stühlen saß ich bereits an den unterschiedlichsten Orten dieser Welt. In Italien am Strand, in Manchester vor einem Pub, selbst in Kambodscha neben den berühmten Tempelanlagen Ankor Wat gibt es diese Sitzgelegenheiten. Doch wo kommt dieser globalisierte Stuhl her? Dieser Frage möchte ich heute ein wenig auf den Grund gehen.

Der sogenannte Monobloc (oder ein wenig simpler: Monoblock) erfreut seit 1972 die Hintern der ganzen Welt. Der französische Ingenieur Henry Massonnet präsentierte damals seinen „Fauteuil 300“ und damit den ersten industriell gefertigten Monobloc. Dabei war sein großer Verdienst nicht die Idee für diesen Stuhl (die gab es bereits) sondern die Rationalisierung des Herstellungsprozesses. Das Möbel aus einem Guss konnte innerhalb von zwei Minuten hergestellt werden und war damit unschlagbar günstig in der Produktion. Das Material für den Monobloc ist der Kunststoff Polypropylen, der laut wikipedia, der am zweithäufigsten verwendete Standardkunststoff ist. Was bedeutet das für die Herstellungsorte des Stuhls? Und für seinen Transport in (fast) alle Regionen der Erde? Wie ökologisch ist der Monobloc?

Bildquelle: http://www.functionalfate.org/archives/2009/12/10/monobloc-repairs/

In Ernas Garten beginnt es zu regnen und wir beeilen uns die Stühle in die trockene Laube zu stellen. Sie lassen sich wunderbar stapeln und passen perfekt ineinander. Ein großer Vorteil für den Transport, grüble ich, trotzdem sind die Dinger wirklich sperrig. Da lässt sich nichts verbiegen oder falten, um die Größe zu verringern. Das macht den Monobloc nicht besonders flexibel. Im Vergleich zu den sehr günstigen Herstellungskosten, sind die Kosten für einen Transport demnach ziemlich hoch. Das überrascht mich ein wenig, aber es leuchtet völlig ein. Dieser globale Stuhl steht zwar symbolisch für Massenproduktion, aber keineswegs für Globalisierung. Meist wird der Monobloc unweit von seinem Einsatzort produziert und bleibt dort in der Regel auch (Wer schon mal versucht hat mit einem dieser Stühle umzuziehen, wird mir beipflichten.). Die Sonne scheint wieder und ich trage den weißen Plastiksessel wieder nach draußen. Auf seiner Rückseite lese ich „Made in Italy“ (In Italien liegt das europäische Zentrum der Kunststoffindustrie.). Also auch ein Europäer…

Na gut, also ist der Monobloc also kein Produkt, das billig in Asien gefertigt wird, um dann aufwendig und unsauber transportiert zu werden. Unter logistischen Maßstäben ist der Stuhl sogar überraschend grün. Aber das Material? Plastikverzicht ist doch eine wichtige Maxime für ein grüneres Leben. Doch auch hier argumentieren Monobloc-Befürworter: „Wegen ihm werden immerhin  keine Regenwälder abgeholzt und solange er aus purem Polypropylen hergestellt, ist er zu 100 % recycelbar.“

Optisch kein Augenschmaus, aber funktional und grüner als gedacht – Der Monobloc. Ich genieße jetzt noch ein sächsisches Bier in der Sonne und freue mich auf Kommentare (gerne auch kritisch!).

Euer Ferdinand

Für weitere Infos zum Monobloc: https://www.treehugger.com/

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